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Die Geschichte der Caritas

Caritas-Gründer Werthmann mit Hedwig Dransfeld
© KNA
Lorenz Werthmann (r.) mit Hedwig Dransfeld, der Vorsitzenden des Katholischen Frauenbundes.

Chronologischer Überblick über die wichtigsten Daten aus 111 Jahren

Mit der Gründung durch den Priester und Sozialpolitiker Lorenz Werthman am 9. November 1897 in Köln begann die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte des Deutschen Caritasverbandes. Seit dieser Zeit entwickete sich die Caritas zum heute größten Wohfahrtsverband in Deuschland mit mehr als 500.000 hauptamtlichen Mitarbeitern und ebenso vielen Ehrenamtlichen sowie weit über 20.000 Beratungsstellen, Sozialstationen, Heimen, etc. Die wichtigsten Daten der Geschichte des Deutschen Caritasverbandes:

9. November 1897: Der Deutsche Caritasverband wird gegründet

Katholische Sozialpolitiker, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einen katholisch-caritativen Zentralverband forderten, fanden im jungen Priester Lorenz Werthmann die dynamische Persönlichkeit zur Realisierung dieses Zieles. Mit dem im Frühjahr 1895 in Freiburg gebildeten "Charitas-Comité" bereitete Werthmann die Gründung des "Charitasverbandes für das katholische Deutschland" vor, die er am 9. November 1897 in Köln vollzog. Der neue Verband engagierte sich bald auf vielen Gebieten sozialer Not: Für Saisonarbeiter, Seeleute, Tippelbrüder, Trinker, Körper- und Geistigbehinderte, Geschlechtskranke setzte er sich ebenso ein wie für Kindergärten, Fürsorgeerziehung, Mädchenschutz, Krankenpflege und Frauenfragen.

Anfang des 20. Jahrhunderts: Der Verband schafft zukunftsfähige Strukturen

Der Erste Weltkrieg brachte nicht nur neue Notsituationen für die Menschen in Deutschland. Er legte auch die Gefahren offen, die dem jungen Verband durch seine unzulängliche Infrastruktur, Finanzplanung und Aufgabenkonzeption drohten. 1916 legitimierten die deutschen Bischöfe den Caritasverband als Sozialdienst der katholischen Kirche und sicherten ihm ihre Förderung zu. Als Gründerpräsident Lorenz Werthmann fünf Jahre später starb, hatte der Verband eine feste organisatorische Basis. Sein Nachfolger Präsident Benedict Kreutz führte diesen Prozess weiter. Vor allem schuf er in den zwanziger Jahren ein beachtliches Netz von Ausbildungsstätten für soziale Berufe und Fortbildungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter des Verbandes. Die Schwerpunkte lagen dabei auf den Bereichen der Kinder- und Jugendfürsorge, der Krankenpflege und der Seelsorgehilfe.

Im Dritten Reich: Die Caritas bleibt trotz Kontrolle weiter aktiv

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Staat und freien Wohlfahrtsverbänden endete 1933 mit der nationalsozialistischen Diktatur. Parteistaatlicher Dirigismus und Gleichschaltung sparten auch die Wohlfahrtspflege nicht aus. Kontrolliert und überwacht, in seinen Tätigkeiten eingeengt, durch Verhaftungen von Mitarbeitern in der Zentrale und vor Ort eingeschüchtert, blieb der Deutsche Caritasverband dennoch am Leben: als arbeitsfähige und nicht gleichgeschaltete Institution christlich fundierter Nächstenliebe. Durch zähes, vorsichtiges und kluges Verhandeln, mit viel Mut und Demut, hatte Präsident Kreutz dies erreicht. Die Bedeutung dieser Leistung wird nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschlands im Jahre 1945 erkennbar.

Nach dem 2. Weltkrieg: Die Caritas als verlässliche Hilfe für Menschen in Not

Nach dem 2. Weltkrieg war der Caritasverband (neben dem neu gegründeten Hilfswerk der Evangelischen Kirche) als einzige überregionale Organisation sofort arbeitsfähig und kümmerte sich um die Not leidende Bevölkerung. Durch die Vermittlung umfangreicher Auslandshilfen, durch Flüchtlingshilfe und Familienzusammenführungen trug die Caritas viel zum Abbau der Kriegsfolgen bei. Präsident Kreutz starb 1949 –  im Gründungsjahr der Bundesrepublik, als die Nachkriegsnot langsam zurückging.

1950 – 1990: Die Caritas hilft auch im Ausland

Zu den traditionellen Aufgaben im Inland kamen neue Schwerpunkte hinzu: Ende der 50er-Jahre leistete die deutsche Caritas erstmals internationale Not- und Katastrophenhilfe. Eine Motivation dafür war die Erinnerung an die Unterstützung, die Deutschland nach dem Weltkrieg vom Ausland erhalten hatte. Heute leistet Caritas international als Teil des Deutschen Caritasverbandes die Not- und Katastrophenhilfe für die Länder Europas und der Dritten Welt. Das Hilfswerk ist von den deutschen Bischöfen dafür beauftragt.

Nach der Wende: Die Caritas vernetzt sich bundesweit

Die politische Wiedervereinigung Deutschlands 1990 hatte auch Auswirkungen auf die Caritas: Die Verbände in der ehemaligen DDR gaben ihre Neu- oder Wiedergründung als eingetragene Vereine bekannt und sind seither Teil des Deutschen Caritasverbandes. Die deutsche Caritas engagiert sich seit der Öffnung des eisernen Vorhangs auch für den systematischen Aufbau sozialer Hilfen in den Ländern Ost- und Südosteuropas.

Wichtige Momete in der Geschichte der deutschen Caritas:

  • 1897: Am 9. November gründet der Priester Lorenz Werthmann in Köln den "Charitasverband für das katholische Deutschland". Der Sitz der Zentrale ist bis heute Freiburg im Breisgau. Drei Jahre später hat der Verband bereits 1.500 Mitglieder.
  • 1916: Die Deutsche Bischofskonferenz erkennt den Caritasverband als "die legitime Zusammenfassung der Diözesanverbände zu einer einheitlichen Organisation" an.
  • 1921: Nach dem Tod von Werthmann wird Benedict Kreutz neuer Präsident des "Deutschen Caritasverbandes" (DCV), wie er nun heißt.
  • 1922: Alle deutschen Diözesen haben einen Diözesan-Caritasverband.
  • 1925: Die katholisch-caritative Fürsorge unterhält in Deutschland bereits über 10.000 Einrichtungen.
  • 1933-1945: Eingeengt, bedroht, unter Einbußen an Mitteln und Gebäuden, unter Opfern auch an Freiheit und Leben von Mitarbeitern übersteht der DCV arbeitsfähig die Jahre der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft.
  • 1945: In den ersten Nachkriegsjahren betätigt sich der Caritasverband vorrangig in der Vermittlung "ausländischer Liebesgaben" für die notleidende deutsche Bevölkerung, in der Sorge für Flüchtlinge und Heimatlose, in der Zusammenführung versprengter Familien. Er beginnt mit dem Wiederaufbau früherer und dem Aufbau neuer sozialer Dienste und Einrichtungen.
  • Um 1960: Der DCV verstärkt, neben dem Eintreten für Benachteiligte im eigenen Land, die Auslandshilfe bei Natur- und Kriegskatastrophen.
  • 1990: Mit der deutschen Einigung endet auch für die Caritas in Deutschland eine über vierzig Jahre dauernde erzwungene Teilung. Die Caritasverbände in der damaligen DDR geben ihre Neu- oder Wiedergründung als eingetragene Vereine bekannt und bekennen sich in ihren Satzungen als Teil des Deutschen Caritasverbandes.
  • 1991: Über fast eine Generation hinweg verbindet sich die Entwicklung der Caritas in Deutschland mit der Präsidentschaft von Prälat Georg Hüssler, der sein Amt nach 22 Jahren als Siebzigjähriger abgibt.
  • 1991-2003: Mit Prälat Hellmut Puschmann, einem gebürtigen Dresdener, wird eine Persönlichkeit aus der Caritas der östlichen Bundesländer an die Spitze des katholischen Wohlfahrtsverbandes berufen.
  • Mai 1991: Der Zentralrat beschließt und verabschiedet erstmals ein Leitbild für den Deutschen Caritasverband. Es formuliert Aufgaben und Ziele, Herausforderungen und Perspektiven. Zusätzlich verweist es auf theologische Grundlagen und trifft Aussagen zum Organisations- und Leistungsprofil.
  • 1997: Am 9. November feiert der DCV in Köln sein 100-jähriges Bestehen.
  • 2003: Peter Neher wird neuer Präsident.
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