Länderthema

Mit der 2003 gegründeten Initiative „Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit“, wollen die deutschen Bischöfe in den Kirchengemeinden, aber auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit verstärkt auf die Diskriminierung und Drangsalierung von Christen in verschiedenen Teilen der Welt aufmerksam machen.

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© Adveniat
Ermelita Garcia in ihrer Hütte im Dorf San Anselmo auf Kuba: Seit dem Zusammenbruch der Kirche 1975 bewahrt sie die Statue des Dorfheiligen auf. Die Kirche wird zurzeit neu errichtet.

Jedes Jahr gibt es ein wechselndes Schwerpunktland, das der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), in einer Dialog- oder Solidaritätsreise besucht. Zudem erscheint zu diesem Land eine Informationsbroschüre in der Reihe „Arbeitshilfen“ der Deutschen Bischofskonferenz.

Zuletzt ist der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), vom 7. bis 11. Januar 2018 zu einem Solidaritätsbesuch nach Kuba gereist. Dort hat er sich über die Situation der Kirche und das Leben der katholischen Christen in dem sozialistisch regierten Land in der Karibik informieren. Pastorale Fragen, die Bildungs- und Medienarbeit der Kirche sowie die Hilfsaktionen nach großen Katastrophen wie dem Hurrikan „Irma“ im September 2017 standen dabei im Vordergrund.

Informationsbroschüre

Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit: Kuba und Venezuela. Eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz. Arbeitshilfen Nr. 302 (Bonn 2018)
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Bilder aus Kuba und Venezuela

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Blicken wir nach Kuba: Das Land in der Karibik gehört zu den Einparteienstaaten, in denen die Überwachung des privaten und öffentlichen Lebens besonders ausgeprägt ist. Alle privaten oder gesellschaftlichen Initiativen, die im Verdacht stehen, das Gestaltungsmonopol der Staatspartei infrage stellen zu können, werden rabiat eingeschränkt oder ganz verhindert. Religiöse Akteure, deren pastorales oder caritatives Engagement politische Züge annimmt – was sich im Einsatz für arme, diskriminierte und marginalisierte Menschen ja oft kaum vermeiden lässt – geraten schnell ins Fadenkreuz des Partei- und Staatsapparats. Administrative Schikanen und systematische Benachteiligung bis hin zu Gefängnisstrafen sind an der Tagesordnung. All dies wird in der zensierten Presse im Land nicht erwähnt. Auch die internationale Berichterstattung sieht in Kuba nicht selten vor allem einen touristischen Zielort mit dem maroden Charme eines der letzten kommunistischen Länder.

Im Januar 2018 war ich für einige Tage auf Kuba, um mich über die Situation der Kirche vor Ort zu informieren. Ich traf mit Bischöfen und Gläubigen zusammen und besuchte kirchliche Sozial- und Bildungsprojekte. Den absoluten Machtanspruch des kommunistischen Partei- und Staatsapparates konnte ich auf Schritt und Tritt erleben: Alle Kubaner sind in sämtlichen Lebensbereichen von den Reglementierungen des politischen Einparteiensystems betroffen: Die Wirtschaft wird vom Staat reguliert, private, ökonomische Initiativen sind kaum erlaubt, das Bildungssystem ist monopolistisch organisiert, in der Politik ist nur eine Partei zugelassen, die Medien sind Staatsorgane. Im Widerspruch dazu vertritt die Katholische Soziallehre eine plurale und partizipative Gesellschaftsordnung. Jeder Mensch muss seine Freiheit mit Rechten und Pflichten zum Wohl aller wahrnehmen können.

Die Kirche in Kuba ist für lateinamerikanische Verhältnisse zwar zahlenmäßig relativ klein, doch sie versteht sich als Stimme des Volkes. Das macht sie auf der Insel zu etwas Besonderem: Nicht selten hinterfragt sie soziale und wirtschaftliche Missstände, hebt die Verantwortung der Einzelnen hervor und plädiert für einen freieren öffentlichen Diskurs. Durch ihre soziale, kulturelle und pädagogische Arbeit hat sie sich über die katholische Bevölkerung hinaus viel Ansehen erworben. Eine Verfolgung von Christen allein aufgrund ihrer religiösen Grundüberzeugungen gibt es in Kuba nicht. Doch wenn Gläubige von ihrem christlichen Menschenbild ausgehend öffentlich Meinungsfreiheit einfordern, drohen ihnen sofort Sanktionen.

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Auch die Lage in Venezuela ist dramatisch. Ohne Erzbischof Azuaje Ayala vorgreifen zu wollen, möchte ich aus unserer neuen Arbeitshilfe zitieren. In dieser wird die Kirche in Venezuela als „einzige verbliebene Opposition im Land“ bezeichnet. Sie macht die Regierung von Präsident Maduro mit deutlichen Worten für die vielen Krisen im Land verantwortlich. Diese politische Einmischung und Anwaltschaft für die in Not geratenen und in Not gebrachten Menschen bringt die aktiven Christen und Bischöfe in Gefahr. Erzbischof Azuaje Ayala wird gleich näher über die aktuelle Situation in Venezuela sowie das soziale und politische Engagement der Kirche berichten.

Diese beiden kurzen Länderskizzen machen deutlich, dass die Verkündigung des Evangeliums in Kuba und Venezuela schwierig ist und manches Mal auch gefährlich. Denn mit der Meinungsfreiheit wird auch die Religionsfreiheit eingeschränkt. Wo das private und öffentliche Leben von einer allmächtigen Partei kontrolliert und reglementiert wird, wo Meinungsvielfalt unerwünscht ist und einem Meinungsmonopol weichen muss, wo also das politische Leben gleichgeschaltet wird, können Christen ihrem Auftrag, gemäß dem Evangelium die Würde und Freiheit aller Menschen zu verkünden, nicht nachkommen. Hier hat die Frohe Botschaft Jesu Christi politische Sprengkraft.